Erst die erfreuliche Überraschung eines Osternests bei den Wanderfalken, dann Mitte Mai die frohe Botschaft über zwei Wanderfalkenküken. Die ersten an der Bonner Müllverwertungsanlage (MVA) nach über zwei Jahren. Ein Experte des NABU (Naturschutzbund) hat die beiden Jungvögel am 98 Meter hohen Schornstein besucht.

Die Wanderfalken-Küken waren am 10. und 12. Mai geschlüpft und sind seitdem ordentlich gewachsen. Um ihr Geschlecht festzustellen, den Gesundheitszustand zu überprüfen und sie mit Ringen zu bestücken, kam Carl Caspar von der AG Wanderfalkenschutz beim NABU NRW zur MVA. Gemeinsam mit MVA-Mitarbeiterin Antonia Windheuser ging es hoch auf den rosa Schornstein. Dort angekommen wurden die Jungtiere vom Vogelexperten eingehend untersucht. Er überprüfte die Schnäbel, Flügel, Fänge und das Gefieder.
Das Ergebnis: Wanderfalken-Männchen Andreas und seine Partnerin können sich über zwei gesunde Weibchen freuen. Das Geschlecht ist anhand der Größe erkennbar. Weibchen sind bei den Wanderfalken immer erheblich größer, stärker und kräftiger als die Männchen. Außerdem entdeckte der Fachmann unter den Flügeln beider Vögel ein paar Parasiten. Laut Casper könne das vorkommen und sei unbedenklich. Das zwei Tage ältere Küken bringt inzwischen knapp ein Kilo auf die Waage, das jüngere knapp 900 Gramm. Unterm Strich seien die beiden Tiere in einem sehr guten Zustand und hätten sich prima entwickelt.

Am Ende der Untersuchung wurden die Jungvögel mit jeweils zwei Ringen bestückt; an jedem Bein einer. Carl Casper erklärt, was es damit auf sich hat: „Die Jungvögel werden beringt, damit man weiß, wo sie herkommen und wie alt sie sind.“ Die Ringnummern und die dokumentierten Untersuchungsergebnisse werden dann der Vogelwarte Helgoland mitgeteilt. „Das sind Weibchen, daher bekommen sie gerade Ringnummern ans rechte Bein. In diesem Fall die 8. Und links bekommen sie die Ringe der Vogelwarte. Beim Anbringen muss man immer darauf achten, dass kein Spalt an der Verschlussstelle offenbleibt. Sonst besteht Verletzungsgefahr oder die Vögel könnten irgendwo hängenbleiben“, erklärt Casper.
Die Beringungsaktion haben wir in einem Video festgehalten. Außerdem können die Wanderfalken-Küken weiterhin im Nistkasten per Livestream verfolgt werden. In vier bis sechs Wochen werden sie voraussichtlich flügge und verlassen das Nest. Auch ein Blick von außen ist möglich.
Nicht nur Wanderfalken fühlen sich an der MVA wohl. Auch Turmfalken haben hier ihr zu Hause. An der rund 30 Meter hohen Dachkante des Müllbunkers haben Mitarbeitende der MVA für sie zwei Nistkästen gebaut und installiert. In einem davon tut sich gerade ebenfalls einiges. Da dort keine Kamera installiert werden kann, sind nur sporadische Blicke ins Innere der Kästen möglich. Im Zuge der Beringungsaktion für die Wanderfalken wurde der besetzte Nistkasten der Turmfalken inspiziert und frischer Nachwuchs entdeckt: Stand Mittwoch drei Küken und zwei weitere Eier. Ob aus den beiden Eiern ebenfalls Küken schlüpfen, wird sich bei der nächsten Inspektion zeigen. Diese werden in dieser sensiblen Phase zum Wohle der Tiere jedoch nur selten durchgeführt. (cp)
