01.07.2026

Zukunft der Abfallwirtschaft in Bonn

Zu sehen sind Geschäftsführer der MVA Bonn Benedikt Stapper, Geschäftsführer Hündgen Entsorgung Christian Hündgen, Stellv. Geschäftsführer der ITAD e.V Martin Treder und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille im Dialog bei der Podiumsdiskussion.
(v.l.) Geschäftsführer der MVA Bonn Benedikt Stapper, Geschäftsführer Hündgen Entsorgung Christian Hündgen, Stellv. Geschäftsführer der ITAD e.V Martin Treder und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille (Foto: Stadtwerke Bonn/Martin Magunia)

Branchenexperten, Politik und Interessierte haben am Freitag, 26. Juni, beim 2. Forum der Kreislaufwirtschaft in Bonn über die Zukunft der regionalen Abfallwirtschaft diskutiert. Neben Recyclingfragen wurde auch die Sperrung der Nordbrücke als ein aktuelles Thema aus der Region aufgegriffen.

Im Mittelpunkt des von der IHK Bonn/Rhein-Sieg in Kooperation mit SWB Verwertung, Bonnorange, Hündgen Entsorgung und der RSAG gemeinsam veranstalteten Forums, standen die Herausforderungen und Perspektiven der Kreislaufwirtschaft. Benedikt Stapper, Geschäftsführer der MVA Bonn, betonte: „Die Abfallwirtschaft steht für sichere, nicht verlagerungsfähige Arbeitsplätze. Unsere Branche bleibt dauerhaft ein fester Bestandteil der regionalen Wirtschaft. Deshalb ist sie nicht nur aus ökologischer Sicht unverzichtbar, sondern auch ein wichtiger Anker für den Arbeitsmarkt. Private und kommunale Entsorgungsunternehmen haben in der heutigen Veranstaltung gezeigt, wo die Herausforderungen liegen und welche Lösungsansätze die Branche bietet.“

In mehreren Fachvorträgen wurde deutlich, wie vielfältig die Aufgaben der Branche sind, von der Gewährleistung der Entsorgungssicherheit bis hin zur CO2-Einsparung. Staatssekretär Paul Frederik Höller stellte die Kreislaufwirtschaftsstrategie des Landes Nordrhein-Westfalen vor, die insbesondere die Sicherung der heimischen Rohstoffversorgung und den Ausbau geschlossener Stoffkreisläufe in den Fokus rückt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die praktische Umsetzung häufig an Grenzen stößt. 

Marvin Gedenk, Geschäftsführer der Lothar Gedenk Recycling GmbH, verwies auf die Textilindustrie, in der sinkende Materialqualitäten und Fast Fashion das hochwertige und energieaufwendige Recycling zunehmend erschweren. Die weltweite Textilproduktion hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt, während die Kleidungsstücke immer kürzer getragen werden. Ein verändertes Konsumverhalten sorgt zudem dafür, dass zunehmend Müll in den Altkleidercontainern landen und der Anteil tragbarer Kleidung kontinuierlich sinkt. Gleichzeitig stoßen die Sortieranlagen an technische Grenzen, da weit über die Hälfte aller Kleidungsstücke aus komplizierten Mischfasern besteht und fast jede zweite Etikettierung fehlerhaft oder unvollständig ist. Weil die Kosten für die Sammlung und Sortierung mittlerweile die Erlöse am Markt übersteigen, steht die Finanzierung des gesamten Sammelsystems vor dem Zusammenbruch.

Dass die Kreislaufwirtschaft darüber hinaus vor erheblichen wirtschaftlichen und regulatorischen Herausforderungen steht, erläuterte Martin Treder, stellvertretender Geschäftsführer der ITAD e.V. Die moderne Abfallwirtschaft leiste bereits heute wichtige Beiträge zum Klimaschutz, etwa durch die Rückgewinnung von Rohstoffen und Metallen, die Nutzung von Abwärme und die Vermeidung von Methanemissionen auf Deponien. Gleichzeitig warnte Treder vor steigenden Belastungen für die Branche durch die CO2 Abgabe. Hohe Klima-Abgaben verursachen millionenschwere Zusatzkosten, die am Ende sowohl die Verbraucher als auch die Wirtschaft belasten.

Einigkeit bestand darüber, dass funktionierende Stoffkreisläufe und ein leistungsfähiges Recycling nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für die Versorgung mit heimischen Rohstoffen und die Krisenfestigkeit der deutschen Wirtschaft von zentraler Bedeutung sind.

Trotz der bestehenden Herausforderungen fiel die Resonanz auf den branchenübergreifenden Austausch durchweg positiv aus. „Das 2. Forum der Kreislaufwirtschaft sollte den Auftakt für eine fortlaufende Reihe bilden. Es ist sehr wertvoll, wie hier mit verschiedensten Vertreterinnen und Vertreten aus der Branche und weiteren Interessierten diskutiert wird“, zog IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hubertus Hille ein abschließendes Fazit der Veranstaltung.

Auch die aktuell angespannte Verkehrssituation rund um die Nordbrücke wurde in der Diskussion kurz thematisiert. Hille hob dabei die Rolle der Stadtwerke hervor: „Der ÖPNV leistet einen wichtigen Beitrag, um die Auswirkungen der Nordbrückensperrung zu reduzieren. Gleichzeitig sehen wir in Carsharing-Apps die Chance, Fahrgemeinschaften zu fördern und den ÖPNV sinnvoll mit Carsharing zu verzahnen. Aus unserer Sicht sind solche vernetzten Mobilitätslösungen ein wichtiger Baustein, um die Verkehrssituation zu verbessern.“ (ar)
 

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